Dorcas, die Gazelle

Dorcas, die Gazelle

Saturday, 21. March 2026
20:00 bis 22:00 Uhr

Teil 1: Kindheits- und Jugendjahre. Die Geschichte einer 1918 geborenen aussergewöhnlichen Badenerin. Die frohgemute Dorcas erzählt ...

„Wenn du das Familienskelett nicht loswerden kannst, kannst du es ebenso gut tanzen lassen.“

George Bernard Shaw

Dorcas, die Gazelle ist ein Theaterstück, basierend auf den Erzählungen einer humorvollen, höchst vitalen alten Dame. Elisabeth Seiler erzählt und spielt Episoden aus dem Leben ihrer Mutter und lässt so das Bild einer Kindheit und Jugend im Baden der Zwanziger- und Dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts entstehen. Im Fokus ist eine 9-köpfige Gärtnersfamilie mit all ihren Höhen und Tiefen, Freuden und Katastrophen. Eine ganz normale Familie. Die frohgemute Dorcas erzählt von ihrer Kindheit im Bäderquartier.

Von ihrem Vater, der Gärtnermeister im luxuriösen Grandhotel war. Von ihrer Mutter, die 9 Kinder gebar. Von der wohltätigen Frau Brown und ihrer gutmütigen Köchin. Vom ehrbaren Kutscher und seiner bösen Frau. Vom Bruder, der sich in Hamburg nach Amerika einschiffte, aber nie dort ankam.

Dorcas: “ ... und jetzt goht de Schöbeli de lange Weg go hocke !“

Aargauer Zeitung 28.11.2013

Eigentlich sollte nicht Elisabeth Seiler auf dem Sessel sitzen und Geschichten erzählen, sondern ihre Mutter. Doch dem Leben ist das «eigentlich» egal – vor rund drei Monaten ist Dorcas Seiler im Alter von 95 Jahren gestorben. Und so hat die Szene fast etwas Berührendes, wenn die Badener Schauspielerin in die Rolle ihrer Mutter schlüpft und aus deren Leben erzählt. «Ich habe meine Mutter vor ihrem Tod gefragt, ob es in Ordnung geht, wenn ich diese Rolle spiele und ihre Geschichten wiedergebe», sagt Seiler. Es ging in Ordnung. Und zu erzählen gibt es viel.

«Meine Mutter war die Tochter des Gärtnermeisters des luxuriösen Grandhotels im Bäderquartier», erklärt Seiler. Acht Geschwister habe ihre Mutter gehabt; in bescheidenen Verhältnissen sei sie aufgewachsen. «Zum Glück gab es die Familie Brown, diein der Villa Langmatt lebte», so Seiler. Ihre Mutter habe immer wieder betont, wie grosszügig und warmherzig die Frau Brown zu der Gärtnerfamilie gewesen sei. «D’Frau Brown esch für eus nüün Chend S’Chreschtchendli und de Oschterhas i Eim gsi!» 3 Generationen unter einem Dach. Die vorgespielten Szenen im Stück «Dorcas, die Gazelle» basieren zu grossen Teilen auf wahren Gegebenheiten. «Natürlich habe ich auch fiktive Elemente eingebaut, damit das Stück einen roten Faden erhält», sagt Seiler. Sie habe auch gar nicht den Anspruch, ihre Mutter eins zu eins nachzuspielen. «Das würde mir so kurz nach ihrem Tod zu nahe gehen.» Gleichwohl attestiert ihr Bert De Raeymaecker – zugleich ihr Mann und Regisseur – grosse Ähnlichkeiten mit ihrer Mutter. Gelegenheiten, ihre Mutter genau zu beobachten, hatte Seiler viele. Denn die letzten sechs Jahre vor Dorcas’ Tod wohnten sie und ihre beiden Kinder unter einem Dach. «Wir lebten in einem Drei-Generationen-Haushalt», so Seiler. Das sei für die ganze Familie eine Bereicherung gewesen. «Für die Kinder im Teenager-Alter war es schön, ihre Grossmutter im Haus zu haben – nicht nur wegen der packenden Geschichten, die sie oft erzählte.»

Humor gepaart mit Erzählkunst Sie sei aber überzeugt, dass von dieser Form des Zusammenlebens nicht zuletzt auch ihre Mutter profitiert habe. «Das hat ihr nach dem Tod meines Vaters neuen Schwung gegeben und meine Mutter jung und vital gehalten.» Wohl auch deshalb habe ihre Mutter bis fast ganz zum Schluss ein feiner Humor ausgezeichnet, gepaart mit einer grossen Erzählkunst. «Meine Mutter war eine Ausnahmeerscheinung mit einem riesigen Fundus an unglaublichen Geschichten aus Baden», so Seiler. Das Theaterstück sei einerseits eine Hommage an ihre Mutter. «Vor allem aber war ich der Meinung, dass diese Geschichten ein Zeugnis der Stadt Baden sind und der Öffentlichkeit nicht vorenthalten bleiben sollten.»
Eintritt:
30.- Fr.