Arpad Polgar & Kim Schwanhaeusser - Sehnsucht - Nostalgia
Sie zeigen, dass ihre Verbundenheit mit der Natur und ihren Phänomenen im Mittelpunkt ihres jeweiligen künstlerischen Schaffens steht, als Quelle der Inspiration und behütetes Refugium zugleich.
Die Diskrepanz zwischen dem menschlichen Bewusstsein eigener Endlichkeit und der unbegrenzten Vorstellungskraft sich in jegliche idealisierte Raum-Zeit-Dimension zu projizieren, scheint den Kern des existenziellen Schmerzes namens Sehnsucht zu bilden. Wann immer sich diese Kluft zwischen oft romantischer Gedankenprojektion und unmittelbarer, trivialer Realität auftut, strahlt sie eine fühlbare Anziehungskraft aus, die von einem gelebten oder imaginierten Anderswo ausgeht, welches in der Vergangenheit oder in einer künftigen Vergangenheit liegen kann. Die Seele, welche zwischen dem „Hier und Jetzt” und dem entfernten verlorenen Paradies hin- und hergerissen ist, begibt sich auf eine aussichtslose Suche. Dieser gefallene Engel leidet unter einem unendlichen nostalgischen Begehren hin zu jenen unerreichbaren Orten einer entrückten Zeit.
Aus einer romantischen Betrachtung heraus, weckt die Entfremdung der Menschheit von ihrem Ursprung, mit zunehmender Distanz zu nativen Sinneserfahrungen, ein unwiderstehliches Bedürfnis nach einer Rückkehr zu verklärt natürlichen Gegebenheiten. Insofern dient die idyllische Natur kulturtraditionell als erhabenes Symbol und Versprechen für den Wunsch einer Flucht aus existentiellen Zwängen.
Der Mechanismus der Fotografie fängt und bewahrt einen Abzug des flüchtigen Augenblicks, der sich inmitten eines kontinuierlichen Flusses von unzähligen ineinander verflochtenen Ereignissen befindet. In ihrer immanenten Funktionalität, dienen Fotografien als Ankerpunkte für persönliche oder kollektive Reminiszenzen und ergänzen somit unsere eigenen fragmentierten Erinnerungsfetzen. In einer komplexeren Interpretation kann die fotografische Spur zur Projektionsfläche für unsere nach außen gerichtete Sehnsucht werden. Ein bildliches Indiz kann, indem es Erinnerungen, Fantasie und Hoffnungen regt, die Fluchtpunkte unserer innersten Sehnsüchte, unseres Heimwehs oder unserer Wanderlust bezeichnen: sei es eine persönlich gelebte Erfahrung, eine nie erlebte Vergangenheit, eine utopische Zukunft oder Orte, die wir nie (wieder-)sehen werden.
Kim Schwanhaeusser und Arpad Polgar zeigen, dass ihre Verbundenheit mit der Natur und ihren Phänomenen im Mittelpunkt ihres jeweiligen künstlerischen Schaffens steht, als Quelle der Inspiration und behütetes Refugium zugleich. Ihr gegenseitiges Zusammen- oder Wechselspiel findet sich in einigen Werken wieder, da sie öfters dieselben Gebiete erkunden oder gemeinsam genutzte Studioszenen errichten. Allerdings unterscheiden sich die Künstler, selbst bei der Bearbeitung derselben Szenographie, stets in ihrer individuellen visuellen Sprache und Grammatik.
Beide Künstler offenbaren ein ähnlich obsessives Verlangen beim Sammeln ihrer Motive aus natürlichen Ressourcen oder Landschaften, um hierin ihrem romantischen Bewusstsein zu entsprechen. Des Weiteren verbindet sie ihre Absicht, Reibungsflächen zwischen Wirklichkeitsbezogenheit und Unendlichkeit der Fantasie zu untersuchen. Ihre respektive Werksammlung scheint mit der beständigen Rückkehr zur Sehnsucht darauf anzuspielen, dass dieser Seelenzustand allenfalls erstrebenswerter sei, als die Auflösung der Spannungsfelder zwischen Existenz und Vorstellungskraft.
Kim Schwanhaeusser, geboren 1991 in Hongkong, nach ihrem Biologiestudium freischaffende Fotografin und Künstlerin, lebt und arbeitet in Deutschland und in der Schweiz
Kim Schwanhaeusser‘s künstlerischer Ansatz ist im Wesen eine Hommage an die Tradition der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie. Mit akribischer Sorgfalt entwickelt sie ihre Negative und Abzüge in der Dunkelkammer selbst. Ihre Werke reihen sich in eine vergangene und beinah schon verlorene Handwerkskunst ein, welche Silberhalogenide durch das Zusammenspiel von Licht und chemischen Prozessen zum Leben erweckt. Die Wahl des analogen Mediums offenbart eine bewusste Verlangsamung, die ihrem behutsamen Herantasten an das jeweilige Sujet entspricht.
In ihrem Oeuvre verwirklicht Kim ihr grundlegendes Verlangen die natürlichen Wunder zu ehren. Darin verflochten wird zuweilen eine Rückbesinnung auf persönliche Erfahrungen und Kindheitserinnerungen erkennbar. Ihre Sensibilität erkundet die Feinheiten aller Lebensformen und stellt ihre fotografischen Objekte unverblümt mit all ihren „Unvollkommenheiten“ dar. Die Verbindung zur Natur bleibt allgegenwärtig und umfasst in Szene gesetzte Wildblumenfelder, opulente Stillleben, tanzende Schmetterlinge, traumartige Natur-Stadtlandschaften, mystische Nebelwälder sowie Selbstporträts, welche das Intime oder gar Verletzliche des Daseins hinterfragen. Kim Schwanhaeusser‘s künstlerische Wanderung ist eine fortwährende Ergründung ihrer Identität, wobei sie sich an verlorener Vergangenheit und vereinzelten Erinnerungsfragmenten zu orientieren versucht. Indem sie die äusseren Schichten herkömmlicher Erscheinungsnormen und Erwartungen abträgt, dringt sie zu einem Ursprung vor, welcher sich hinter Schönheit verbergen mag. Er erschliesst sich in der Einfachheit natürlicher Essenz.
Arpad Polgar, geboren 1967 in Genf, Fotograf und Künstler, Ausstellungen im In- und Ausland seit 2001, lebt und arbeitet in der Schweiz
Arpad Polgar‘s kreative Erkundung entspringt einem lebenslangen Bestreben, Prozesse der Natur zu verstehen. Diese Intention hat ihn aus ursprünglicher Naturbegeisterung und dialektischen Fragestellungen allmählich zu einer emotional-kontemplativen Akzeptanz ungelöster Komplexität der Unermesslichkeit geführt. Sein Ansatz beruht auf einer unersättlichen Faszination für die Zyklen der Metamorphosen, für feinste Details und Strukturen zeugend von Wachstum und Auflösung, Erblühen und Zerfall. In diesem künstlerischen Ansinnen erschien Fotografie als geeignetes Mittel um einen Ausgangspunkt zu definieren: Die systematische Herauslösung von Typologien aus ihrem natürlichen Werden, ihre anschliessende Zergliederung und Sammlung, ermöglichen die notwendige zeitunabhängige Erforschung des flüchtigen Zustandes eines ausgewählten Phänomens.
Hieraus entstehen, durch iterative Abkehr vom naturalistischen Klischee, gewissermassen symbolische Darstellungen, welche eine augenscheinliche Anlehnung an die Ästhetik japanischer Edo Kunst wiederspiegelt. Arpad Polgar erkundet Grenzen fotografischer Reproduktion und taucht dabei in neu komponierte Welten aus vielfach überlagerten Ausschnitten der Natur ein. Diese wiederum vermengen sich mit Artefakten scheinbar zufällig aufgetragener Malschichten und Texturen. Die Verdichtung gesonderter Momente und Perspektiven bilden neu konfigurierte Topografien, vergängliche Gärten oder auch transfigurierte botanische Anatomien. Dieser kreative Prozess, welcher dem Flüchtigen und Vielfältigen nachspürt, ähnelt einem parallelen Metabolismus in Nachbildung ewiger Zyklen von Kontraktion und Expansion, in einer Ode an den Kosmos.
Aus einer romantischen Betrachtung heraus, weckt die Entfremdung der Menschheit von ihrem Ursprung, mit zunehmender Distanz zu nativen Sinneserfahrungen, ein unwiderstehliches Bedürfnis nach einer Rückkehr zu verklärt natürlichen Gegebenheiten. Insofern dient die idyllische Natur kulturtraditionell als erhabenes Symbol und Versprechen für den Wunsch einer Flucht aus existentiellen Zwängen.
Der Mechanismus der Fotografie fängt und bewahrt einen Abzug des flüchtigen Augenblicks, der sich inmitten eines kontinuierlichen Flusses von unzähligen ineinander verflochtenen Ereignissen befindet. In ihrer immanenten Funktionalität, dienen Fotografien als Ankerpunkte für persönliche oder kollektive Reminiszenzen und ergänzen somit unsere eigenen fragmentierten Erinnerungsfetzen. In einer komplexeren Interpretation kann die fotografische Spur zur Projektionsfläche für unsere nach außen gerichtete Sehnsucht werden. Ein bildliches Indiz kann, indem es Erinnerungen, Fantasie und Hoffnungen regt, die Fluchtpunkte unserer innersten Sehnsüchte, unseres Heimwehs oder unserer Wanderlust bezeichnen: sei es eine persönlich gelebte Erfahrung, eine nie erlebte Vergangenheit, eine utopische Zukunft oder Orte, die wir nie (wieder-)sehen werden.
Kim Schwanhaeusser und Arpad Polgar zeigen, dass ihre Verbundenheit mit der Natur und ihren Phänomenen im Mittelpunkt ihres jeweiligen künstlerischen Schaffens steht, als Quelle der Inspiration und behütetes Refugium zugleich. Ihr gegenseitiges Zusammen- oder Wechselspiel findet sich in einigen Werken wieder, da sie öfters dieselben Gebiete erkunden oder gemeinsam genutzte Studioszenen errichten. Allerdings unterscheiden sich die Künstler, selbst bei der Bearbeitung derselben Szenographie, stets in ihrer individuellen visuellen Sprache und Grammatik.
Beide Künstler offenbaren ein ähnlich obsessives Verlangen beim Sammeln ihrer Motive aus natürlichen Ressourcen oder Landschaften, um hierin ihrem romantischen Bewusstsein zu entsprechen. Des Weiteren verbindet sie ihre Absicht, Reibungsflächen zwischen Wirklichkeitsbezogenheit und Unendlichkeit der Fantasie zu untersuchen. Ihre respektive Werksammlung scheint mit der beständigen Rückkehr zur Sehnsucht darauf anzuspielen, dass dieser Seelenzustand allenfalls erstrebenswerter sei, als die Auflösung der Spannungsfelder zwischen Existenz und Vorstellungskraft.
Kim Schwanhaeusser, geboren 1991 in Hongkong, nach ihrem Biologiestudium freischaffende Fotografin und Künstlerin, lebt und arbeitet in Deutschland und in der Schweiz
Kim Schwanhaeusser‘s künstlerischer Ansatz ist im Wesen eine Hommage an die Tradition der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie. Mit akribischer Sorgfalt entwickelt sie ihre Negative und Abzüge in der Dunkelkammer selbst. Ihre Werke reihen sich in eine vergangene und beinah schon verlorene Handwerkskunst ein, welche Silberhalogenide durch das Zusammenspiel von Licht und chemischen Prozessen zum Leben erweckt. Die Wahl des analogen Mediums offenbart eine bewusste Verlangsamung, die ihrem behutsamen Herantasten an das jeweilige Sujet entspricht.
In ihrem Oeuvre verwirklicht Kim ihr grundlegendes Verlangen die natürlichen Wunder zu ehren. Darin verflochten wird zuweilen eine Rückbesinnung auf persönliche Erfahrungen und Kindheitserinnerungen erkennbar. Ihre Sensibilität erkundet die Feinheiten aller Lebensformen und stellt ihre fotografischen Objekte unverblümt mit all ihren „Unvollkommenheiten“ dar. Die Verbindung zur Natur bleibt allgegenwärtig und umfasst in Szene gesetzte Wildblumenfelder, opulente Stillleben, tanzende Schmetterlinge, traumartige Natur-Stadtlandschaften, mystische Nebelwälder sowie Selbstporträts, welche das Intime oder gar Verletzliche des Daseins hinterfragen. Kim Schwanhaeusser‘s künstlerische Wanderung ist eine fortwährende Ergründung ihrer Identität, wobei sie sich an verlorener Vergangenheit und vereinzelten Erinnerungsfragmenten zu orientieren versucht. Indem sie die äusseren Schichten herkömmlicher Erscheinungsnormen und Erwartungen abträgt, dringt sie zu einem Ursprung vor, welcher sich hinter Schönheit verbergen mag. Er erschliesst sich in der Einfachheit natürlicher Essenz.
Arpad Polgar, geboren 1967 in Genf, Fotograf und Künstler, Ausstellungen im In- und Ausland seit 2001, lebt und arbeitet in der Schweiz
Arpad Polgar‘s kreative Erkundung entspringt einem lebenslangen Bestreben, Prozesse der Natur zu verstehen. Diese Intention hat ihn aus ursprünglicher Naturbegeisterung und dialektischen Fragestellungen allmählich zu einer emotional-kontemplativen Akzeptanz ungelöster Komplexität der Unermesslichkeit geführt. Sein Ansatz beruht auf einer unersättlichen Faszination für die Zyklen der Metamorphosen, für feinste Details und Strukturen zeugend von Wachstum und Auflösung, Erblühen und Zerfall. In diesem künstlerischen Ansinnen erschien Fotografie als geeignetes Mittel um einen Ausgangspunkt zu definieren: Die systematische Herauslösung von Typologien aus ihrem natürlichen Werden, ihre anschliessende Zergliederung und Sammlung, ermöglichen die notwendige zeitunabhängige Erforschung des flüchtigen Zustandes eines ausgewählten Phänomens.
Hieraus entstehen, durch iterative Abkehr vom naturalistischen Klischee, gewissermassen symbolische Darstellungen, welche eine augenscheinliche Anlehnung an die Ästhetik japanischer Edo Kunst wiederspiegelt. Arpad Polgar erkundet Grenzen fotografischer Reproduktion und taucht dabei in neu komponierte Welten aus vielfach überlagerten Ausschnitten der Natur ein. Diese wiederum vermengen sich mit Artefakten scheinbar zufällig aufgetragener Malschichten und Texturen. Die Verdichtung gesonderter Momente und Perspektiven bilden neu konfigurierte Topografien, vergängliche Gärten oder auch transfigurierte botanische Anatomien. Dieser kreative Prozess, welcher dem Flüchtigen und Vielfältigen nachspürt, ähnelt einem parallelen Metabolismus in Nachbildung ewiger Zyklen von Kontraktion und Expansion, in einer Ode an den Kosmos.
Datum
12. März 2026
13. März 2026
- 25. April 2026
13. März 2026
- 25. April 2026
Mi, Do, Fr
17:00 - 19:00 Uhr
Galerie 94
Galerie 94: Einzigartige Fotografie im Kanton Aargau.
Bruggerstrasse 37
5400 Baden